
Es ist erstaunlich, dass es heute noch Bands gibt, die seit Jahrzehnten existieren, aber über die fast nichts bekannt ist. Verlässliches, meine ich. Eisenpimmel gehört dazu.
Fest steht, dass die Band Anfang der Achtziger Jahre in Duisburg auftauchte, um Krach zu machen. Oder besser Bier-Punk. Eisenpimmel besteht aus Addi (Gitarre), Wolle (Schlagzeug), Bärbel (Gesang), Karl (Bass) und Siggi (Gesang), welche fast legendär für ihre Aufnahmepraxis sind. Einer ihrer ersten Songs “Duisburg ist spitze” wurde 1983 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt geschrieben und 1986 beendet. Den ersten Tonträger gab es 1995 (!), die 7-Inch-Platte “Dicke Eier Weihnachtsfeier”. Bei diesem Tempo ist es nicht verwunderlich, dass das beliebteste Format der Band Singles und Maxis sind.
Die sind schließlich schneller gefüllt. Davon gibt es einen Haufen. Weil jedoch die Bedingungen, unter denen die Band Alben einspielt, sehr harsch sind (siehe unten), bestehen Alben der Band meist aus Wiederveröffentlichungen, Samplerbeiträgen und einigen unveröffentlichten Stücken. Das ist jedoch ganz praktisch, weil die Singles nur schwer erhältlich sind.
Schon die erste LP “Alte Kacke” von 1996 war einer dieser Zusammenstellungen und wurde 2000 als CD wiederveröffentlicht. Im selben Jahr erschien auch das Album “Sexmaschinen tanken Super”. Jetzt, zwei Jahre später, ist es wieder Zeit für eine Zusammenstellung. “Liebesglocken grüßen dich” heißt die CD mit dem vielsagenden Untertitel “Alte Kacke II”.
Musikalisch kann Eisenpimmel euphemistisch als Street-Punk bezeichnet werden, die raue, noch schrammeligere Variante des Drei-Akkorde-Punk. Textlich sind Eisenpimmel eine Kategorie für sich. Auf den ersten Blick überwiegen eindeutig Sauflieder mit Titeln wie “Pils”, “Macht mich zum Spiess von der Saufkompanie” (zweiteilig), “Bier zu mir” und “Saufen”.
Die Ironie – beabsichtigt oder nicht – versteckt sich gut und blinzelt nur manchmal durch. “Wir wollen nich im Sitzen kacken / keine Tussi an die Möpse packen / wir wollen nich auf’n Putz haun / wir wollen keine Scheiße bauen / Wir wollen saufen saufen saufen saufen” heißt es in letzterem Song. Oder in der Duisburg-Hymne: “Wat liegt nich inner Zone – Duisburg / is trotzdem mit Zukunft ohne – Duisburg”.
Andere Songs offenbaren fast komödiantische Aspekte. “Oi Of Olaz” ist eine Skinhead-Parodie, “Hart Rock” rechnet mit dem Macho-Gehabe in gleichnamiger Musikrichtung ab und in “Aufrecht” fordert Bärbel die Emanzipierung, damit Frauen auch im stehen pinkeln dürfen.
Unter dem Synonym “B.K.S.A.W.” (Befreiungs-Kommando Solidarische Aktion West) karikierten Eisenpimmel den Vorwurf einiger Linker, ihre Lieder seien sexistisch. Die Songs dieser Single “Initiative statt Verblödung” sind auch auf dem Album und übertreffen sich in politischer Korrektheit. Textbeispiel: “Die Perpetuierung bestehender Machtverhältnisse ist der harte Kern der Propaganda und bedeutet geschlechtliche Hierarchie”. Ironischerweise verkaufte die sich besser als echte Eisenpimmel-Singles.
(Text in alter Piraten-Maier geklaut von http://www.bloom.de/articles/article_003836_php4.htm
