Wir schreiben das Jahr 2003. Der rote Felsen liegt unumstößlich in der aufgerauten Nordsee und wird von hohen Wogen umspült. Die Tagestouristen geben sich die Plastiktüten in die Hand und schleppen tonnenweise zollfreie Butter, Schnaps, Parfum und Zigaretten von der Insel.
Kaum haben die Touris den Fuselfelsen verlassen, kehrt eine beschauliche Ruhe ein, die nur von den Menschen nachempfunden werden kann, die dies einmal erlebt haben. Plötzlich entwickelt sich der überfüllte Felsen in der Nordsee zu einem ruhigen Kleinod voller Duft, reiner Luft und behäbigem Leben.
Doch was tut der Insulaner, nachdem er seinen Piratenjob erledigt und die Touristen abgefertigt hat? Täglich grüßt das Murmeltier, möchte der Laie glauben. Aber weit gefehlt! Bereits vor vielen Jahren, genauer gesagt um 1990 gründete sich, in guter deutscher Tradition, ein Verein auf Helgoland.
Mit dem fast unaussprechlichen Namen „A.F.V.G.H.“ hauchten ein paar junge Menschen dem Eiland Leben ein. Ihr Ziel: Musik, Partys und Veranstaltungen für jeden Geschmack. Und wie es sich für die unbeugsamen Helgoländer gehört, strebten sie stets nach Höherem. So kam es dann auch, dass, über viele Umwege und Hürden, eine kleine Düsseldorfer Punk-Kapelle auf dem Wunschzettel der Insel-Piraten stand.
Nach viel hin und her und einem berühmt-berüchtigten Fehlstart war die Sensation im Jahr 2002 perfekt. Die Toten Hosen brachten die Insel zum Kochen. Nachdem der erste Versuch eines Hosen-Konzertes auf der Insel aufgrund der Angst der Insulaner vor Krawallen und saufenden Punk-Horden kläglich gescheitert war, zeigte sich 2002, dass ein Iro nicht beißt.
Waren für den ersten Konzertversuch noch Hundertschaften der Polizei, Hubschrauberüberwachung und Inselverbot angesagt, freuten sich die Inselmöpse 2002 dann doch über ein gelungenes und (natürlich!) völlig friedliches Punkrockfest in der Nordseehalle.
Doch dieses legendäre Konzert hatte noch viel weiter reichende Folgen.
Der A.F.V.G.H. nahm Kontakt zu Fabsi auf und die Idee der Rock `N` Roll Butterfahrt war geboren. Wenige Monate später, im September 2003 nahm zum ersten mal ein Dampfer Fahrt Richtung Helgoland auf, um die Insel zum Wackeln zu bringen.
Rund 200 Fans der Mimmis und Schwarz auf Weiß setzten die Punkrock-Tradition des roten Felsens fort. Mit perfektem Wetter, geiler Musik und bester Stimmung war schnell geklärt, dass dies nicht die letzte Kaperfahrt nach Helgoland war. Daran änderte auch der mitgeführte Sarg nichts.
Schon bei der Erstauflage der Butterfahrt waren alle Teilnehmer vom Virus Helgoland infiziert. Die Anfahrt, die Lage, diese unglaubliche Stille, die nur von den genialen Tönen der Amps untermalt wurde, der Campingplatz – all dies sind einmalige Komponenten, wie sie nur in der Nordsee aufeinander treffen.
Rock ´n` Roll Butterfahrt – 1
Falls ihr noch Fotos von der zweiten Rock ´N` Roll Butterfahrt habt, so könnt ihr uns die Bilder gerne per Mail zusenden. Wir laden eure Bilder direkt auf unsere Seite.